Die Erde steht unter Dauerbeschuss. Jeden Tag prasseln tausende von Meteoriten auf unseren Planeten herab. Unter den vielen Brocken aus dem All gibt es eine Gruppe, die Forscher aufgrund ihrer Herkunft besonders faszinieren. Sie stammen vom Mars und könnten jetzt dafür sorgen, dass die Geschichte des roten Planeten umgeschrieben werden muss. Bislang waren sich Wissenschaftler einig, dass die heutige Marsoberfläche vor vier Milliarden Jahren entstanden ist. Damals schoss Magma aus dem Marsinneren an die Oberfläche empor, um anschließend zu erkalten und auszuhärten. Wesentlich später krachten regelmäßig große Kometen auf den roten Planeten, Teile des Marsbodens barsten und wurden ins All geschleudert – um letztlich wesentlich kleiner auf der Erde zu landen. Die deutsche Geophysikerin Stephanie Werner und ihr Forscherteam rütteln mit ihrer neuesten Forschung zwar nicht am Grundgerüst dieser Erzählung. Doch sie drehen in ihrer Studie, die im Magazin Science erscheint, kräftig an der Uhr des roten Planeten (Werner, Ody et Poulet, 2014). Sie datieren die Eruptionen an der Marsoberfläche um mindestens 200 Millionen Jahre zurück. Außerdem liefern die Forscher eine verblüffende Erklärung für den Ursprung einer großen Gruppe an Marsmeteoriten, die als Shergottiten bekannt sind. "Wir konnten nachweisen, dass alle Shergottiten wohl aus dem Mojave-Krater stammen", sagt Werner. Auch seien die Gesteinsbrocken weit älter als bislang angenommen.